Die Augenoberfläche verstehen

Eine funktionelle Einheit besonderer Bedeutung

Sehen, unsere Umwelt durch visuelle Reize wahrnehmen, für die meisten von uns einfach selbstverständlich. Aber wissen wir eigentlich, wie dieser Vorgang funktioniert? Ist uns bewusst, dass unsere Augen Hochleistungsorgane sind? Allein die Augenoberfläche stellt schon eine Funktionseinheit dar, deren Störung zu Einschränkungen in der Sehstärke führen kann. Hierzu zählen die Hornhaut, Bindehaut, Tränendrüsen, weitere Drüsen am Lidrand und ableitende Tränenwege für die Tränenflüssigkeit in die Nase. Das perfekte Zusammenspiel dieser einzelnen Komponenten ist die Grundlage für die Aufnahme des Lichtreizes und exakte Brechung zur Abbildung auf die Netzhaut. Alles, was danach im Auge passiert, kann stark eingeschränkt sein, wenn die Augenoberfläche gestört ist. Deshalb widmen wir dieser funktionellen Einheit einmal ganz besondere Aufmerksamkeit und beginnen mit der...

 

Hornhaut

Die Hornhaut, auch Cornea genannt, dient unserem Gehirn als transparentes Fenster, durch das Lichtreize aufgenommen werden können. Hierbei handelt es sich um eine kleine, gebogene Scheibe von wasserarmen Bindegewebe, die vorne in der Mitte des Augapfels vor der Iris aufliegt. Sie leistet durch ihre spezielle Wölbung einen großen Anteil an der optimalen Lichtbrechung.  Umgeben wird die Cornea von mehrschichtigem Epithel, das unter anderem Infektionen verhindert.  Um absolute Transparenz für optimalen Lichteinfall zu ermöglichen, fehlen sowohl Blut- und Lymphgefäße als auch weitestgehend Abwehrzellen. Allerdings findet sich in der Hornhaut eine hohe Dichte an feinen Nervenfasern, die zu einer gesteigerten Empfindlichkeit als Selbstschutz vor Verletzungen führen. Der wichtigste Reflex dieser Nervenzellen ist der Lidschlussreflex. Außerdem regelt die Hornhaut über ihre Nervenzellen auch die Menge an Tränenflüssigkeit. Die Oberflächenbeschaffenheit der Cornea und des Bindegewebes ist wichtig für die Anhaftung des Tränenfilms. Sind unsere Augen aber zum Beispiel einem starken Luftzug ausgesetzt (Klimaanlage, Ventilatoren oder Zugluft, um nur einige Möglichkeiten zu nennen), trocknet die Augenoberfläche aus. Dadurch entsteht wiederum eine höhere Reibung der Augenlider auf der Oberfläche und schädigt sie. Hier spricht man vom Selbstverstärkung-Mechanismus des Trockenen Auges.

 

Die Bindehaut

Die Konjunktiva (Bindehaut), kleidet die Lider innen aus, verläuft dann über den Augapfel und grenzt in dessen Mitte an die Hornhaut. Sie bildet somit den Abschluss der Augenhöhle zur Umwelt.

Sie besitzt einen für Schleimhäute typischen Aufbau, bestehend aus einem zwei- bis mehrschichtigen, meist kubischen Epithel mit Schleimzellen (sogenannten Becherzellen) und einer Schicht aus lockerem Bindegewebe mit Gefäßen, Nervenfasern und vielen Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen). Die Becherzellen im Epithel produzieren Schleimstoffe (Muzine), die das Wasser der Tränenflüssigkeit an der Augenoberfläche binden. Neben den Becherzellen besitzt die Konjunktiva auch akzessorische Tränendrüsen, die den wässrigen Teil des Tränenfilms erzeugen. Sie verteilt mit jedem Lidschlag Tränenflüssigkeit über der Hornhaut und verbessert so die Gleitfähigkeit zwischen Augapfel und Augenlider und vermindert die Reibung. Somit ist die Konjunktiva für die Befeuchtung, den Wassertransport und Schleimproduktion über Blut- und Nährstoffversorgung sowie Immunabwehr bis hin zur Reibungsverminderung zuständig. Also eigentlich sprechen wir hier vom Dienstleistungsorgan für die Augenoberfläche, da die Hornhaut selbst keine Blutgefäße oder Abwehrzellen besitzt.

Somit gehört auch die Immunabwehr zu den wichtigsten Aufgaben der Bindehaut. Sie bildet das Schleimhaut-Immunglobulin A (IgA) als häufigstes Protein der Bindehaut im Bindegewebe und sorgt für dessen Transport durch das Epithel an die Oberfläche. Das Immunglobulin A bildet dort, eingebunden durch das Netzwerk der Muzine, eine äußere Schutzschicht gegen Keime, auch Muzinbarriere genannt. Dennoch kann es zu Infektionen kommen. Bei der Bindehautentzündung handelt es sich wohl um die häufigste Erkrankung.

 

Die Schleimhautorgane

Für das „Management“ der Tränen sind die Schleimhautorgane zuständig. Sie sorgen dafür, dass ein dünner und gleichmäßiger Tränenfilm produziert wird, der vor allem für die Lichtbrechung und damit auch für die optimale Sehschärfe von wesentlicher Bedeutung ist.

Der Tränenfilm ist in drei Schichten aufgebaut, die von unterschiedlichen Drüsen gebildet werden.

Die äußere Schicht ist mit einem Ölfilm durch aufschwimmende, flüssige Lipide versehen und versiegelt somit den Tränenfilm nach außen.

Diese Lipide werden von den Meibom-Drüsen gebildet, die in der bindegewebigen Lidplatte (Tarsalplatte) liegen. Auf diese besonderen Drüsen werden wir später noch genauer eingehen und erklären dann auch, wie deren Dysfunktion zum Sicca-Syndrom führen kann.

Die darunterliegende wässrige Schicht bildet mengenmäßig die Hauptkomponente des Tränenfilms und wird von der Haupttränendrüse und den kleineren akzessorischen Drüsen produziert. Über Ausführungsgänge werden die wässrigen Tränen in den Konjunktivalsack, ein kleinerer Teil aus der Bindehaut, abgegeben.

Auf die wässrige Komponente folgt die Muzin-Schicht. Durch das Einbinden von Immunglobulin A, wird hier eine Schutzbarriere gegen Keime aufgebaut. Muzine sind Schleimstoffe, die in den Becherzellen der Bindehaut gebildet werden. Sie binden an das Wasser der wässrigen Tränen und tragen zur Entstehung des Muzin-Wasser-Gels bei. Weitere Muzine sind an der Oberfläche der Hornhaut und Bindehaut zu finden. So ermöglichen sie die Bindung des Tränenfilms an der Oberfläche.

 

Meibom-Drüsen

Wie bereits angekündigt, beschäftigen wir uns mit den Meibom-Drüsen eingehender. Ungefähr 50 dieser lipidproduzierenden Drüsen gibt es pro Auge am Lidrand.

Sie stellen ein, bei Körpertemperatur, dünnflüssiges und klares Lipid her. Dieses Sekret wird ständig neu produziert und dadurch aus den Drüsen gedrückt. Der Lidschlag verteilt das Lipid dann gleichmäßig auf der wässrigen Tränenflüssigkeit. So verhindert es die Verdunstung des Tränenfilms und sorgt dementsprechend für Stabilität. Daher kommt es bei einer Dysfunktion der Meibom-Drüsen zum frühzeitigen „Aufreißen“ des Tränenfilms. Infolgedessen fühlt sich das Auge trocken an, die Lidränder sind gerötet. Hinzu können Juckreiz, Brennen bis hin zu Entzündungen kommen.

 

Wie kommt es aber zu einer Dysfunktion der Meibom-Drüsen (MDD)?

Die MDD gilt als eine der häufigsten Ursachen für das Sicca-Syndrom (Trockenes Auge). Normalerweise ist das ölige Sekret bei Körpertemperatur flüssig. Steigt aufgrund von chemischen Prozessen oder veränderter Zusammensetzung der Schmelzpunkt, verhärtetet das Lipid und verstopft zusätzlich die Drüsen. Verantwortlich können zum Beispiel Infektionen mit Bakterien sein.

 

Behandlung einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion (MDD)

In erster Linie wird versucht mit Hilfe von Wärme das verhärtete Lipid wieder zu verflüssigen und damit die verstopften Drüsen zu befreien. Dafür verwendet man zum Beispiel feuchte, warme Kompressen. Allerdings muss sichergestellt werden, dass die Kompressen direkt am Lidrand aufliegen. Im Anschluss sollte auf jeden Fall eine effiziente Lidreinigung und Lidmassage mit entsprechenden hochwertigen Pflegemitteln erfolgen. Die Gefahr, das empfindliche Gewebe zu sehr zu strapazieren, ist relativ hoc

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